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Bert Rebhandl, Areas of Refuge, Cinema in the diaspora of Documenta11, Springer 3/02

[...] Ulrike Ottingers sechseinhalbstündige »Südostpassage«, eine Reise von Berlin ans Schwarze Meer durch eine osteuropäische Landschaft, die auch im Off der nächsten Osterweiterung der EU liegen wird, ist vor einem Gesamtwerk zu sehen, das experimentelle (»Johnna d’Arc of Mongolia«) und orthodoxe ethnografische Strategien (»Taiga«) verbindet. Ottinger hat immer wieder den Fernen Osten erforscht. In »Südostpassage« nähert sie sich dem byzantinischen Einflussbereich und einer Kultur, die sich durch die Übergänge zwischen muslimischen und (ost-)christlichen Einflüssen sowie der jüdischen Gemeinden auszeichnet. Die Documenta fungiert unter den Produzenten des Films, der in der Binding-Brauerei in einem Projektionsraum neben Louise Bourgeois gezeigt wurde. Ottinger überschreitet die Nationalgrenzen auf dem Balkan, indem sie einen kulturellen Raum wiederherstellt, den auch die Regime des 20. Jahrhunderts nicht endgültig zerstören konnten. Die sonore Stimme eines englisch sprechenden Erzählers ergänzt die Bilder, vornehmlich Straßenszenen aus Breslau oder Odessa sowie diverses Material aus Literatur und Philosophie. Die »Südostpassage« ist durchaus einer ethnografischen Expedition vergleichbar. Der Verzicht auf einen direkten Ton (der in »Taiga« noch elementar wichtig war, tatsächlich im Sinn einer Naturgewalt) öffnet einen »dritten Raum« der Objektivität, aus dem die Beobachteten und die Beobachterin zu verschwinden drohen. [...]

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