Begierde und Fahrerlaubnis

Text: Elfriede Jelinek | Inszenierung und Bühne: Ulrike Ottinger, Ingeborg Podehl

Auf der Leinwand im Hintergrund der Spielfläche wird, Satz für Satz, die Textur von Elfriede Jelinek eingeblendet, in der kaum ein Satz nur ein Satz ist.
Davor die Stumme Rednerin. Gestikulierend liest sie (die Gehörlose Ingeborg Podehl) Wort für Wort nach vorn...

Produktion: Steirischer Herbst, Graz 1986 | Weitere Stationen: Berlin, Hamburg, Gießen, Basel
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Pressestimmen

Diskurs 87, up to date, Donnerstag, 18. Juni 1987
[…] Die dramatische Geste konkurriert mit dem Schrifttext; gerade weil sie ihn wieder gibt, nicht vereinnahmte durch Verdoppelung. Es ist falsch anzunehmen, der Schrifttext geriete zum übergewichtigen Element dieses Theatertextes. Die Focussierung des Interesses durch Sinn-Isolierung macht sehen auf der Bühne Sinn-voll.
Nach ca. zwei Drittel der Spielzeit: mehrfaches heftiges Auftreten auf den Bühnenboden. Erinnerung daran, daß wir Ohren haben zu hören die Stille.
Natürlich ist diese Inszenierung ein Theaterexperiment, ein ästhetisches Experiment, ein Versuch, sparsam angeordnet, auf das Wesentliche beschränkt, eine Untersuchung des post-dramatischen Theaters auf seine Theatralität, d.h. auf seine sinnliche Wirkung.
Der Versuch, der nichts manieriertes hat, ist ohne Zweifel gelungen, macht die Sinne und Sinnlichkeit bewußt. Bei aller Euphorie: Die Inszenierung ist zu lang oder zu kurz; zu lang, um nur Idee zu sein, zu kurz, um ihre meditative Wirkung zu entwickeln.

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