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Zwischen verschiedenen Kulturen sind Missverständnisse Teil
der Verständigung. Nicht um sie auszuräumen, sondern um
Unterschiede begreifbar zu machen. Das Wichtige ist dabei stets,
dass der Unterschied nicht einfach wiedererkannt wird, was ja nur
ein Klischee bestätigen würde. Ulrike Ottinger sympathisiert
deshalb so sehr mit dem Fremden, weil es bei ihr über die Grenzen
des Wiedererkennens hinausgeht und ihre Filme zum Medium eines Erkennens
machen, das zugleich Phantasie und Feststellung, Kritik und Anteilnahme
ist. Ob sie nun Spielfilme macht oder Dokumentarfilme dreht, die
sie auch und bisweilen in das akustische Bildfeld einer Hörmontage
überträgt - unentwegt arbeitet sie daran, mit ihren Bildern
das Klischee zu durchbrechen und sie von ihm zu befreien. Sie häuft
visuelle und akustische Eindrücke an, die sie kadriert und
rekadriert. Sie hält Widersprüche offen, indem sie ihnen
Zeit gibt, bis sie uns zwingen, unsere Seh- und Hörgewohnheiten
zu verändern.
Die Erzählung ist nicht mehr als sukzessive Handlung zu verstehen.
Genauer gesagt: ist sie nicht räumlich zu verstehen, sondern
zeitlich, als Differenz und Resonanz, deren heterogener Zusammenhang
im Augenblick der Unterbrechung liegt, der es uns erlaubt, zwischen
Erzählungen zu wechseln und in die Zeit zu fallen. Wir sind
im Fluss der Dinge selbst, sind ihnen nicht mehr in Reaktionen verbunden
und entdecken deshalb die Kraft der Bilder und Töne, die diese
gerade deshalb besitzen, weil sie die Dinge nicht mehr abbilden,
sondern neu erschaffen. Tatsächlich handelt es sich um ein
dem Sehen und Hören eigenes Berühren, das so sehr zur
Sache gehört, dass es sich mit der Zeit verändert, die
mit dem Sehen und Hören identisch ist. Diese Zeitfolgen sind
es, die nach einem außergewöhnlichen Zusammentreffen
in der Montage verlangen. Nehmen wir das Beispiel von Ulrike Ottingers
"Exil Shanghai". Das ist kein Ort, der auf einer Landkarte
verzeichnet ist. Das ist ein Ort, der erst aus der Zeit entstanden
sein wird.
Sie hören etwas, das sie nicht sehen, sagen wir: eine Erzählung
vom Exil im Shanghai der späten dreißiger Jahre des letzten
Jahrhunderts, während Ihr Blick über Alltagsszenen im
zeitgenössischen Shanghai streift, als ob es jetzt geschähe.
Doch ist dieses Jetzt eher postuliert als aktualisiert, darin besteht
ja gerade sein verwirrendes Moment: Dass dieses Jetzt einen negativen
Ort bezeichnet - die Dinge sind vielleicht da, aber Sie können
sie nicht sehen. Ihnen fehlt der Kommentar einer Illustration ihres
Realitätsempfindens. Doch wird Ihnen eben dadurch die Realität
eines Unterschieds zuteil. Sind Sehen und Hören zwei Wahrnehmungsweisen,
die sich nicht nur ergänzen und bestätigen, sondern auch
widersprechen und ausschließen können? Auf jeden Fall
sind sie nicht ohne Rest im Hier und Jetzt aufeinander abzubilden.
Sie falten den Abstand der Zeit in sich ein.
Es gibt verschiedene Wege, den Abstand zu überbrücken,
der uns von anderen Zeiten trennt. Nostalgie und Herablassung sind
ihre entgegengesetzten Extreme, doch dazwischen gibt es die wundersame
Fähigkeit von Hören und Sehen, über die Zeit hinweg
Kontakt aufzunehmen. Besonders wenn wir etwas hören, das sich
unserem Blick nicht aussetzt, weil es für einen fiktiven Blick
zu spielen scheint, entsteht ein Bild, das wir nicht sehen und das
uns unserer angestammten Betrachterposition beraubt. Wir erkennen,
dass wir nicht im Bild sind und dass niemand dieses Bild je besitzen
oder gänzlich erfassen kann. Genauer gesagt geht dieses Bild
immer weiter, egal ob jemand hinschaut oder nicht. Es offenbart
uns, was unsere eigenen Augen nicht sehen. Es versetzt uns selbst
in der Zeit.
Von nun an ist die Zeit nicht mehr eine Abfolge diskreter Punkte.
Ich sehe nicht mehr, wie die Zeit vergeht. Stattdessen höre
ich zahllose Unterbrechungen, die untereinander Verbindungen eingehen
und mich in die Unendlichkeit des Universums stürzen. Ich bin
meiner Betrachterposition beraubt heißt: ich habe meinen angestammten
Ort verloren und weiß kaum mehr, wohin. Oder noch schlimmer:
Es gibt zu viele Orte, an die ich gehen kann. In Anbetracht dieser
Möglichkeiten geht es darum, einen Ort zu gründen, einen
medialen Ort, der die Zeiten zu übergreifen vermag, doch ohne
sie im Hier und Jetzt zu versammeln. Selbstverständlich kann
das Dort mit dem Hier und das Vergangene mit dem Gegenwärtigen
in Verbindung treten, doch so, dass diese Verbindung nicht ihren
zeitlichen Ablauf erleichtert. Vielmehr stört oder beeinträchtigt
sie ihn, indem sie seine Differenzen durchwandert und eine Variabilität
von Orten und Augenblicken hervortreten lässt aus dem Kontinuum
der akustischen und visuellen Eindrücke. Sie betrifft nicht
die Einteilung der Bereiche des Sichtbaren und Hörbaren in
reale oder fiktive Gegenwarten, wenn sie einen neuen Blickwinkel
erfindet, der bald den einen bald den anderen Bereich übernimmt
und ineinander übergehen lässt. Wir haben es nicht mehr
mit einer einfachen Übertragung zwischen Hören und Sehen
zu tun. Das Hören wird zu einer Funktion des Auges, einer Wahrnehmung
der Wahrnehmung selbst, die sie mit ihrer Kehrseite - und das sind
Imagination, Gedächtnis, Wissen - im Getrenntsein vereint.
Es ist allein schon deshalb, dass Ulrike Ottingers "Exil Shanghai"
seiner Sache Rechnung trägt. Anstatt eine fiktive oder reale
Gegenwart zu bearbeiten, synchronisiert sie sie. Indem sie den Ort
zwischen der visuellen und akustischen Kadrierung ihres Films in
das hörbare Kontinuum einer Hörmontage überträgt,
lädt sie uns in ein akustisches Bildfeld ein, das in einem
doppelten Zugriff ein Jetzt mit einem anderen verbindet und sie
in einer Montage schichtet, die das Dramatische und das Komische,
das Alltägliche und das Außergewöhnliche zusammenführt.
Die einzelnen Elemente verändern sich mit den zeitlichen Beziehungen,
in die sie eintreten, nicht nur entsprechend ihrer subjektiven Variationen,
sondern auch und besonders entsprechend der aus ihren räumlichen
und zeitlichen Zusammenhängen gelösten Augenblicke, die
uns die Verhältnisse in ihrer Veränderlichkeit, in ihrer
Instabilität zeigen.
Die Lebensabschnitte der berichtenden Personen erscheinen in Bruchstücke
zerissen, von denen jedes sich in seiner Dauer der Zeit zu entreissen
und in sie hinabzutauchen scheint. Sie verlieren ihre personelle
und kollektive Einheit in dem Masse, wie sie sich mit der Außenwelt
ihres Exils vermischen, die sie in Form von Werbung, Bericht, Dokument,
Nachricht, Katalog, Notiz usw. unterbricht und nicht nur auf diverse
praktische Interessen in der Zeit verweist, sondern sie auch in
den Lauf der Welt einbettet, der bis 200 Jahre vor unsere Zeitrechnung
reicht. Bestimmt nicht zufällig wird das erste deutsche Wort
auf chinesischen Ladenschildern erwähnt, denn dieses Wort "Versatzamt"
scheint nicht nur auf die Notlagen des Exils zu verweisen, sondern
auch das Zerstückelte der Erzählung neu zu begründen,
das, was es heißt, sich den Lauf und eben nicht den Besitz
der Dinge zu eigen zu machen.
Dem Kampf gegen die Macht der Zeit ist keiner allein gewachsen.
Deshalb müssen seine Zeiterlebnisse - Erinnerung und Hoffnung
- von einem zum anderen wandern, und zwar so, dass sich ein Zwischenraum
zwischen Erinnerung und Hoffnung herstellen kann. Wenn dieser Zwischenraum
der Verbindung zuvorkommt, wird die Differenz zwischen den beiden
unhintergehbar. Sie erschöpft sich nicht in der Verteilung
von Ähnlichkeit und in der Bestandsaufnahme. Genauer gesagt
begründet diese Differenz etwas Drittes und Neues: den Fehlanschluss
in der Zeit. Das heißt nicht, dass sich das Diskontinuierliche
gegenüber dem Kontinuierlichen durchsetzt. Vielmehr hören
und sehen wir, wie die Schnitte und Brüche in dieser Montage
ein Kontinuum bilden, das sich aus dem Außen speist und die
Zeit selbst darstellt.
Bresson hat uns daran erinnert, dass Schweigen eine Errungenschaft
des Tonfilms ist, weil es nur in der Unterbrechung von Tönen
und Stimmen hörbar wird, während der Stummfilm Töne
und Stimmen suggeriert. Schweigen ist nämlich nicht einfach
nur die Abwesenheit von Geräusch. Wie die sichtbare Leere bedarf
auch das hörbare Schweigen eines Kontexts und einer Vorbereitung,
damit die Synchronisierung von Unterbrechung und Fehlanschluss gelingt.
In anderen Worten: das Exil.
Das Exil beinhaltet immer einen blinden Fleck: den Verlust der angestammten
Betrachterposition. Dieser blinde Fleck beraubt das Auge nicht seines
Blicks, im Gegenteil, er bewirkt eine Öffnung für den
Blick und übt einen Druck auf ihn aus. Doch ist dies kein Blick,
der einfängt; er selbst wird gefangen genommen und in Bewegung
versetzt. Er ist in der Lage eines schwankenden, schwebenden, fluktuierenden
Volkssplitters, dessen Verankerung immer wieder erneut in Frage
gestellt wird. Schon möglich, dass er seinen Ort im Raum verändert.
Doch kommt er nicht eigentlich von irgendwoher. Er hat seine Betrachterposition
verloren und reicht deshalb tiefer als die Erinnerung, die ihrerseits
in die Vergangenheit versetzt wird. Es ist im Zuge dieser ständigen
Versetzung, dass sich zunehmend ein Abstand breit macht, der die
Position des Betrachters zu übernehmen beginnt. Der Betrachter
überspringt ihn nicht mehr. Er stürzt buchstäblich
in ihn hinein.
Er verliert die Macht, die Zeiten dadurch zu überschreiten,
dass er sich im Verhältnis zu ihnen definiert und sich - wie
gewohnt - immer andere Dinge dazu einfallen lässt. Dinge, die
bereits gesagt oder gezeigt worden sind und die uns geneigt machen,
das, was unsere Sinne uns gegenwärtig und unmittelbar geben,
mit Erinnerungen zu vermischen, und übrigens so sehr, dass
eine gegenwärtige Wahrnehmung ohne weiteres in eine Erinnerung
übergehen kann. Damit ist nicht nur ein bequemes und rasches
Funktionieren der Wahrnehmung angesprochen, das, was Bergson das
Aufpropfen von individuellen Zufälligkeiten im Zuge einer unpersönlichen
Wahrnehmung nennt, sondern auch die Kontraktion des Wirklichen,
die unser Gedächtnis leistet, wenn es die einzelnen Momente
ineinander dehnt und verschmilzt. Tatsächlich gewinnen wir
dadurch eine sinnlichere und konkretere Lebensillusion. Wir haben
unseren Blickpunkt ins Bild hinein versetzt. Das Bild selbst gewinnt
an Tiefe, weil von ihm selbst das Licht ausgeht, das es zu beleuchten
scheint. Wird dieser Zusammenhang aber allein bedeutend, steht die
Welt still. Zeit und Leben sind eingefroren, damit "Ich"
sie besser erinnern kann.
Und wie soll einer auch erzählen, wie ihm das Exil widerfahren
ist, wenn seine Erzählung in das nachträgliche Licht des
happy end getaucht ist? Die Montage, um die es hier geht, muss also
seine Erinnerung wieder in den Ablauf der Welt einbinden. Sie muss
den Operator eines Übergangs aktivieren, eine Falte oder eben
diesen Zwischenraum, die Konjunktion und. Mit ihr ist uns eine einfache
Adjunktion gegeben, die Beifügung eines Bilds zu einem anderen:
und, und so weiter, und so fort; weiter nichts. In der Verknüpfung
mit und folgen die Wahrnehmungen und Erinnerungen wohl aufeinander,
doch ist ihre Abfolge keiner kategorialen Ordnung unterworfen wie
etwa: weil oder wenn ich mich richtig erinnere, dann ist diese gegenwärtige
Wahrnehmung folgendermassen zu verstehen usw. Wenn ich der gegenwärtigen
Wahrnehmung eine Erinnerung aber durch und hinzufüge, kann
diese sich mit jener verbinden, doch nicht ohne den Abgrund meines
Nichtseins zu konnotieren, der sich zwischen meinen Wahrnehmungen
auftun kann. Er gibt mir das Erstaunen darüber zurück,
dass etwas beginnt, wenn das, was gesagt wird, gesagt wird, und
nicht - vor meinen Augen - schon immer dagewesen und sich in Zukunft
erfüllend ist. Kann schon sein, dass damit die Diskontinuität
(oder das Vergessen), wie sie der Zeit wesentlich ist, am bedrohlichsten
erscheint. Doch kann ihr gerade deshalb mit der Kontinuität
entgegengewirkt werden. Sie ist es, die der Zeit ebenfalls wesentlich
ist und wie eine Retention für Montagezwecke scheint.
Mit ihr ist uns eine Möglichkeit gegeben, das Tatsächliche
nur einfach zu berichten und sogar Distanz von ihm zu bewahren.
Wenn alle Schärfe und Kraft der Montage in das Verbindende
gelegt wird, so dass sie gleichsam einen rhythmischen Charakter
gewinnt, mit überaus klaren Gelenken, dann ist der zwischen
ihnen liegende Stoff des Geschehens zwar eingebunden, aber nicht
illusioniert. Auf diese Weise gelangt die montierende Verbindung
zu äußerster Genauigkeit und Vielfalt; es handelt sich
dabei nicht nur um Konjunktionen, sondern auch der Gebrauch der
Tempora, die Bildstellung, die Antithese und vieles mehr muss dem
gleichen Zwecke dienen: dem der genauen, dabei elastischen und nuancenreichen
Anordnung.
Dieser Reichtum an Gelenken und Anordnung ermöglicht eine große
Vielfalt subjektiver Darstellungen und überdies eine erstaunliche
Wendigkeit des Nachdenkens über die Tatbestände. Nicht
zu vergessen die Freiheit, einige Tatbestände zu unterschlagen
und anderes, Zweifelhaftes anzusprechen. Offenbar sind sowohl die
Serien gleichartiger Vorgänge wie auch die Wiederaufnahme Phänomene,
deren Charakter eher parataktisch als syntaktisch ist. Ob nun anstelle
einer Gesamtdarstellung die immer neu anhebende Aufzählung
ähnlich gestalteter und verlaufender Einzelszenen tritt; oder
ob anstelle einer intensiven Handlung das mehrfache, immer wieder
vom Ausgangspunkt anhebende Wiederholen der gleichen Handlung gegeben
wird; oder ob schließlich anstelle eines vielgliedrig sich
entwickelnden Vorgangs ein mehrfaches Zurückgehen zum Ausgangspunkt
mit jeweilig daran sich anschließender Ausführung verschiedener
Glieder oder Motive erfolgt: immer handelt es sich um ein Vermeiden
der rational gegliederten Zusammenfassung und ein Bevorzugen des
stockenden, stoßweisen, nebeneinandersetzenden, vor- und zurückgehenden
Verfahrens, wobei die kausalen, modalen, ja sogar die temporalen
Beziehungen verschwimmen, zugunsten einer erzählenden Zeit.
Das ist nicht die Erzählung der Entwicklung oder des Werdegangs
einer Person, der Enthüllung oder der Auflösung eines
Konflikts, eher handelt es sich um die Chronik der Ereignisse einer
Reise, die weder die Zeit noch die Kontinuität darstellt, sondern
diese selbst ausweitet. Und am Ende findet man sich nicht selten
am Anfang wieder. Wenn zum Beispiel am Ende unseres Films, der sich
ja auf das Exil der europäischen Juden im Shanghai des 2.Weltkriegs
bezieht, aufgrund der kommunistischen Befreiung oder Besetzung danach
eine erneute Emigration ansteht. Doch haben wir es hier nicht mit
einer einfachen zirkulären Bewegung zu tun, denn nun wird uns
die Möglichkeit eines Anfangs zuteil, der sich in seinem eigenen
Inhalt, seinen Themen, seinen Situationen und Personen zu reflektieren
vermag. Er verfügt gleichsam über die Fähigkeit,
sich um sich selbst zu drehen, um sein eigenes Unerklärbares.
Und das ist die Realität eines Bruchs.
Es ist klar, dass die Montage Sprünge, Konflikte, Auflösungen,
Resonanzen verwendet, doch ist ihre Selektion und Koordination in
der Regel darauf bedacht, unsere flüchtige und ungewisse Gegenwart
in eine beständige und beschreibbare Vergangenheit zu verwandeln,
die jedoch aufgrund der Natur des Mediums stets als eine Gegenwart
erscheint. Pasolini bringt diese synthetische Auffassung der Montage
mit demTod zusammen, er sei es nämlich, der die gewaltige Montage
unseres Lebens vollende. Dem widerspricht aber die Natur des hier
in Frage stehenden Mediums, das uns die Zeit selbst als Wahrnehmung
beschert. Seine Brüche und Disproportionen richten sich an
einen Betrachter, der selbst nicht mehr Zentrum seiner Wahrnehmungen
ist und daher mitgenommen wird auf eine von ihm abweichende Reise
in der Zeit .
Darunter ist nicht nur zu verstehen, dass es keine Gegenwart gibt,
die nicht von einer Vergangenheit und einer Zukunft heimgesucht
wäre. Denn diese Reise ist ein "Versatzamt", das
unaufhörlich seine Winkel und Koordinaten verändert, seine
Vertikalen und Horizontalen vertauscht, und noch das, was vor ihr
und nach ihr kommt in ihr Innerstes versetzt, um ihrer Gegenwart
zu entkommen, dieser einfachen Repräsentation der Zeit. Beispielsweise
die erzählenden Personen: Wir erfahren, was sie waren, ehe
sie in die Montage eintraten, und was sie danach sein werden. Doch
genügt es nicht, zugunsten einer ungeschminkten Realität
die Fiktion auszuschalten, wenn die Montage die Grenze überschreitet,
die ihr Vorher und Nachher markiert. Denn nun ist uns die Zeit selbst
als eine Wahrnehmung gegeben, die ihre Grenze erfassen muss, um
in die Montage einzutreten und aus ihr herauszukommen, und um in
die Fiktion wie in eine Gegenwart einzutreten, die nicht von ihrem
Vorher und Nachher zu trennen ist. Damit erreichen wir keineswegs
eine unabhängig von der Montage existierende Realität,
wohl aber eine mit der Montage koexistierende Chronik der Zeit.
© Eva Meyer
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