Taiga
Eine Reise ins nörliche Land der Mongolen
Ein Film von Ulrike Ottinger |
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Deutschland 1991/92
16 mm Farbe, 501 Minuten, OmU
Aufführung auch in zwei oder drei Teilen möglich
Ulrike Ottinger Filmproduktion, Berlin
in Zusammenarbeit mit Miran Ltd., London, Astrid Frank
Premiere: 21./22. Februar 1992, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum
Festivals: London, Toronto, Montréal, Jerusalem u.a.
im Verleih der
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V. |
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Oben der Himmel,
unten die Erde.
Seht meine Herde,
vom Norden.
Seht meine Pferde,
vom Süden.
Schaut, seht, kommt.
(Schamanenlied) |
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Taiga beschreibt eine Reise zu den Yak- und Rentier-Nomaden im nördlichen
Teil der Mongolei. Der Film führt uns in die Weite dieses von Schneebergen
bekrönten Hochtales. Überall treffen wir auf animistische Opferstätten
mit Stofffetzen und heilige Bäume mit Pferdeschädeln. Die Schamanen
sind hier noch mächtig und begleiten ihre Schutzbefohlenen nicht nur
bei Krankheit oder ins Herbst- und Sommerlager, sondern auch ins moderne
Leben.
Die Dramaturgie folgt nicht allein der Reise zu den beiden Völkern,
sondern mit ihrer Hilfe auch der Reise zu ihrer eigenen Geschichte.
In stolzen Selbstinszenierungen präsentieren sie sich während ihres
Alltags, ihrer Feste, ihrer religiösen Riten. Und sie erzählen, wie
es früher war, was verloren gegangen oder vergessen ist, was sich
verändert hat. Die filmischen Bilder ergänzen und kontrastieren das
Gesagte. Analog ihrer Erzählperspektive beginnt der Film bei den Nomaden
in der Wildnis. Dann bewegt er sich zu den Blockhütten-Siedlungen,
die heute als mongolisch-russische Handelsstationen fast funktionslos
geworden sind. Und zuletzt endet die Reise im Freizeitpark der Stadt
Ulaanbaatar, wo die Bewegung des Nomadisierens in einer Zementjurte,
in der ein Epensänger den Kindern alte Legenden erzählt, zum Stillstand
kommt.
Ulrike Ottinger |
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| Presse |
"Mit großer Selbstverständlichkeit folgt Ulrike Ottinger den Spuren
der Yak- und Rentiernomaden, schreitet als Kamerafrau durch das große
Himmelstor in weite unberührte Landschaften und erklärt den erkundenden
Kameraschwenk zum bestimmenden Erzählgestus.
Der achteinhalbstündige, in achtunddreißig Episoden unterteilte Film
folgt dem Weg der Nomaden vom Sommer- ins Winterlager, aber er verfolgt
auch den Weg vom Ursprung zur Moderne. Er führt von den Jurten und
den streng befolgten archaischen Bräuchen - da müssen die Geister
wohlgesonnen sein, stets wird die Schamanin um Rat gefragt - hin zu
den Blockhütten der Städte. Automatisch klopft man die Bilder danach
ab, was an mongolischen Einflüssen geblieben ist, danach, wo und wie
der Kulturtransfer verläuft. Da trifft man auf die Photographen, deren
Erinnerungsbilder auch schon die Wände der Jurten schmücken, Kinder,
die auf hölzernen Rentieren Karussell fahren, zuletzt auf eine Jurte
aus Zement, in der ein fahrender Sänger als Epenerzähler auftritt.
Was vorher authentisch war, ist jetzt schon Zitat [...]"
Marli Feldvoß, epd Film, Nr. 5, 1992
Wir entdecken, wie die Kultur den Alltag durchwebt: die Spottlieder,
die Balladen, den Schmuck, die kunstvollen Plastiken, den rücksichtsvollen
Umgang miteinander und mit den Tieren, den Respekt vor Freunden! Immer
wieder sehen wir, mit welcher Härte und Disziplin diese Menschen arbeiten
müssen, um in der grandiosen Schönheit einer gleichgültigen Natur
ein Leben führen zu können, in der die Gast-Kultur erst den Zusammenhalt
der Gruppe, die unerläßlichen Informationen, ja die Moral herstellt,
die jeder Mensch der Erde braucht.
Hark Bohm, Hamburger Abendblatt, 2.9.1993
"l SAW TAIGA" Ms. Cooper says. "THIS WAS DEFINITELY A GOOD DAY."
John Rockwell, 100 Movies A Day 'Without Insanity',
New York Times, 22.2. 1992
Ulrike Ottinger's TAIGA comes as cool relief and a stark reminder
of how 'civilization' has shifted focus from community to individual.
Ottinger's staggeringly patient ethnographic project recording
the way they live now is a labor of exemplary attention
and reticence.
Georgia Brown, The Village Voice, N. Y, March 9, 1993
Die Resultate der Expedition sind atemberaubend, nicht nur weil sie
das ,ganz andere' dokumentieren, sondern vor allem, weil sie so schön
sind. Vor den Augen der Fremden tun sich eine grandiose Welt und ihre
angemessenen Lebensformen auf. Die Kamera schwenkt und schwenkt und
schwenkt wieder; wie Rollbilder entfalten sich diese Landschaften
in ihrer nordisch anmutenden dezenten Farbigkeit; die Kamera ,liest'
das Hochplateau der Darchad vorwiegend ,europäisch' von links nach
rechts. Auch bei den lnnenaufnahmen schweift das Kameraauge sanft
und ruhig umher, von den Tönen dirigiert, die zuerst ausserhalb des
Bildausschnitts laut werden. Von der Schamanin auf die Teilnehmer
ihrer Séance und wieder zurück auf die Frau, die ihre Trommel schlägt,
in Zungen redet und Anweisungen für die notwendigen Opfer gibt. Vom
Stiefelmacher auf seine Frau, die Milch-schnaps destilliert, und wieder
zurück. Ein Jahr braucht der Stiefelmacher für ein Paar. Warum soll
da ein Film nur 90 Minuten dauern?
Martin Schaub, Tagesanzeiger MAGAZIN Nr. 23, 12.6.1993
The most remarkable quality of TAIGA is its aura of timelessness.
Like the way of life it portrays, the film exhibits no sense of urgency.
Although it follows a rough chronology, it does not try to tell a
conventional story or express a strong historical or sociological
point of view. Nor does it seem to want to idealize its subjects,
who are aware of the film crew and eager to show off their skills.
In the most effective scenes, conventional cinematic momentum simply
halts and the camera dwells on the extended moment. Without making
a fetish of showing everything in real time, TAIGA has enough such
moments to give the viewer much more than a tourist's-eye view of
an ancient tribal culture. At such times, it conveys a sense of really
being there.
Stephen Holden, The New York Times, March 4, 1993
TAIGA is not only one of the most fascinating films of the year, but
a landmark in the West's attempts to represent the East.
Berenice Reynaud, Cinemaya 17-18/1992 93
"Ich bin aus der Hektik der Internationale Filmfestspiele Berlin in Deinen Film gegangen und
habe mich endlich satt sehen dürfen. An Steppe, Menschengesichtern,
Feuern, blauem Himmel. [...] Man möchte in die Leinwand steigen und
die Bilder festhalten, damit das, was sie zeigen, bleiben darf."
Helma Sanders-Brahms, Film und Fernsehen, Heft 20,
1992
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| Besetzung /Stab |
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Regie
Buch
Kamera |
Ulrike Ottinger |
| Ton |
Andreas Mücke |
| Kameraassistenz |
Michael Veigel |
| Schnitt |
Bettina Böhler |
| Schnittassistenz |
Aysun Bademsoy |
| Mischung |
Martin Steyer |
| Endfertigung/Untertitel |
Anja S. Zäringer |
Übersetzer
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Batbilig Sodnomyn, Oyun Doual |
Fahrer
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Jugder, Ulanbajar, Dawaasüren |
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| Produktionsleitung |
Ulrich Ströhle |
| Produktionskoordination |
Hanna Rogge |
| Aufnahmeleiter in der Mongolei |
Dagwadordsh |
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Mit Dank an
Darchad- und Sojon Uriangchaj-Nomaden der Mongolei
Unterstützt durch
Komitee für Kultur und Kunst, Ulaanbaatar,
Dr Ganbat, Dawademberel,
Minister B. Badruu
Berliner Filmförderung
Ministerium für Wissenschaft und Kunst (Baden- Württemberg)
Filmförderungsanstalt (FFA) |
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Verleih:
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Potsdamer Str. 2
D-10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111
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