Superbia — Der Stolz

Ein Film von Ulrike Ottinger
Deutschland 1986

35 mm, Farbe, 15 Minuten

Ulrike Ottinger Filmproduktion, Berlin
in Koproduktion mit ZDF, Mainz

Premiere: Westdeutsche Kurzfilmtage, Oberhausen 1986

Festivals: 15. Festival Internacional de Cinema, Figueira da Foz
Festival du Nouveau Cinéma, Montréal 1986
International Film Festival Amsterdam, 1986
III. Internationales Kurzfilmfestival, Berlin 1986 u.a.

Prädikat: Besonders Wertvoll

im Verleih der

Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Ich bin die Hoffart. ich bin die stolze Wurzel allen Übels.
Ich bin Superbia, die erste im Kanon der sieben Todsünden. Ich stehe stets an erster Stelle.
Aus mir wächst der Baum des Lasters, dessen sündige Früchte meine sechs Töchter sind:
Völlerei — Trägheit — Geiz — Zorn — Neid — Wollust.
Aber sehen sie doch selbst, wie Luciphera Superbia, deren Karosse von den
sechs Untersünden gezogen wird, im Triumphzug mit großem Gefolge
und der Dienerin Blasphemia zu ihrer Hochzeit mit der Welt fährt.
Prolog (gesprochen von lrm Hermann)
Presse

Es ist ein Triumphzug, und es ist ein Totentanz. Superbia, die Hoffart oder Stolz, zieht zu ihrer Hochzeit mit der Welt, die Peitsche in der einen, den Spiegel in der anderen Hand. Sie, die erste der christlich-mittelalterlichen Todsünden und Wurzel aller übrigen, lenkt ein auf Wolken daherkommendes Gefährt, auf dem die Gesellschaft der Mächtigen thront, ein siebenköpfiger Olymp flitterhafter Karnevalsfiguren. Die Welt steckt voller Zeichen und Laster, die die Regisseurin Ulrike Ottinger in einem barocken Augenschmaus und Bilderrätsel darbietet. Ihre so überquellende wie exakt kontrollierte Phantasie verschmilzt den Bilderreichtum der Zeiten und Kulturen zu einer modernen filmischen Allegorie.
      Ganz ohne Stütze hat Ulrike Ottinger den Betrachter in diesem hinreißenden Spektakel nicht gelassen. Wer sich in den allegorischen Anspielungen und Bildzitaten verirrt, der kann sich an die eingeschnittenen Dokumentaraufnahmen halten. Militärparaden und Massenaufmärsche durchkreuzen den Zug der Superbia und scheinen ihn in die politische Gegenwart zu verlängern, in eine bedrohliche Wirklichkeit.
      Das farbenprächtige Welttheater Ulrike Ottingers eröffnet den vom Kleinen Fernsehspiel produzierten Episodenfilm 'Sieben Frauen — Sieben Sünden' [...] 
Karsten Visarlus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.1.87


In der christlichen lkonographie treten die Sünden, von 'Superbia' bis 'Voluptas', als Frauen auf. 'Sieben Frauen — Sieben Sünden' ist auch eine Abrechnung mit der allegorischen Rolle des weiblichen Körpers. In Ulrike Ottingers Beitrag 'Superbia', der den Reigen eröffnet, wälzt sich der Triumphzug des Bösen an der Kamera vorbei, Gestalten mit Drachen- und Pfauenleibern, Giraffenköpfen, Panzern und Peitschen:
      [...] fährt zu ihrer 'Hochzeit mit der Welt'. Eine Bluthochzeit: im Parallelschnitt sieht man Polizei und Militär marschieren, Bombenkrachen vermischt sich mit Feuerwerksgeknall, Parademusik mit Buschtrommeln. 'Superbia', Stolz, ist ein männlicher Wahn.
      Die letzte Einstellung zeigt eine Azteken-Maske: Quetzalcoatl, den Gott der Rache.
Andreas Kilb, DIE ZEIT, 23.1.1987
Besetzung / Stab
Bettlerfürstin Delphine Seyrig
Bankdirektorin Irm Hermann
chinesische Drachenprinzessin
Else Nabu
Generalin Renate Schlesier
General Ting-lLi
Samurai Hisao Saito
Industrieller Margie Ellgaard
Luciphera Superbia Gabriele Heidecker
und





Wolfgang Petrick, Herbert Levine, Eva Meyer,
Maria Rubina, Beatrice Stammer, Chris Smith,
Annette Eckert, Judith Hackfeld,
Gordana Mikovic, Martina Marx,
Rita della Carbonara, Alfred und Mausi Buchelt,
Bernhard-Jahn-Chor u.a.
Buch/ Regie/ Kamera Ulrike Ottinger
Regieassistenz Christine Egerland
Kameraassistenz Bernd Balaschus
Produktionsleitung Herbert Kerz
Koordination Hanna Rogge
Aufnahmeleitung Horst Helbig
Kostüme Gisela Storch, Anne Jud, Hella Utesch
Maske Barbara Marthaler, Manfred Schröder
Bildhauer Arndt von Diepenbroick
Maler Heinz Bert Dreckmann
Schnitt Bettina Böhler
Licht Alexander Junker
Ton Margit Eschenbach
Ton Assistenz Bernard Mangiante

Verleih:

Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Potsdamer Str. 2
D-10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111


Verkauf:
Erhältlich auf VHS
bei
Ulrike Ottinger Filmproduktion