Über
den FilmFascinating and rich with dry humour; EXIL SHANGHAI is an extraordinary cultural odyssey that affectionately conjures up the lost Jewish world of Shanghai, the most fabulous city of the Far East. Moving Pictures at the Berlinale, 1 8.2.1997 [...] Langsam und vorsichtig nähert sich der Film der Stadt wie ein Reisender vom Meer; betrachtet den Hafen, bleibt an europäisch anmutenden Fassaden hängen, lange Einstellungen von Märkten, Stadtverkehr; einer Suppenküche. Er berichtet von einer gegenwärtigen Abwesenheit, die zarte Spuren hinterlassen hat - die der Juden in Shanghai. Fragment einer Stadtgeschichte, über die sich sowohl die chinesische Geschichtsschreibung als auch die der Diaspora bislang ausgeschwiegen haben. Ottinger läßt sie wiedererstehen, indem sie Menschen reden läßt, ihnen viel Zeit für die persönliche und allgemeine Geschichte gibt. Drei Wellen jüdischer Zuwanderung hat Shanghai erlebt: eine kaufmännische im 19. Jahrhundert durch die Sephardim, und zwei der Flucht vor osteuropäischen Pogromen und dem deutschen Völkermord. Heute sind sie erneut vertrieben; manche schon durch die japanische Okkupation in den vierziger Jahren, die restlichen durch die chinesische Rückeroberung in den fünfzigern. Ulrike Ottinger hat sie in ihren neuen Residenzen in Kalifornien besucht und läßt sie vor laufender Kamera berichten: Vom Kampf um Arbeit und das tägliche Uberleben, von deutschsprachigen Zeitschriften und chinesischen Kohleöfchen, von Wiener Bäckereien und Berliner Wurstküchen, vom Elend erneuter Ghettoisierung, aber auch vom Luxus der kolonialen Existenz, die manche unter ihnen genossen. Presse Friday, April 25. 1997 SAN FRANCISCO EXAMINER Jews found refuge and pain in China By John Krich Lange hat man Zeit, die Gesichter zu betrachten, viel Raum wird dem gewandten Ausdruck gegeben, in dem diese Mehrfach-Emigranten erzählen, die von Geschichten übersprudeln EXIL SHANGHAI weiß viel und kommt daher ohne Didaktik aus. Kein erklärender Text aus dem Off stört den Betrachter, man darf sich selbst ein Bild machen vom Ort und den Menschen, die dort leben und lebten. Fragmente, Details geben Einblick in Strukturen. Der Film hält die poetische Kameraführung, die Ottingers Arbeit auszeichnet, in den Interviews wie in den Aufnahmen der gegenwärtigen Stadt, als ob jene strenge Ordnung der Dinge fernöstliche und europäische Ästhetik mischte. Vorsichtig werden Tagebücher auf einen roten Tisch gebreitet, auf dem sich, wie zur Zierde, ein Kakadu tummelt; so sorgfältig wie die Photographien ausgepackt werden, cadriert sie die Kamera. Der Film leitet sein Publikum zärtlich, er läßt uns in die Bilder gleiten, die eine Originalmusik aus den dreißiger und vierziger Jahren wunderbar ergänzt. So stellen sich ungeahnte Verbindungen her, Trauer paart sich mit Melancholie, denn es ist nicht nur eine Geschichte des Leids und der Flucht, die EXIL SHANGHAI erzählt. Manch einer, so stellt insbesondere das Ende klar, wäre gern in der exterritorialen Stadt geblieben, hätte das Transitäre zugunsten einer Bleibe im Exotischen aufgegeben. Diese Faszination im Präsens eingefangen zu haben, macht Ottingers Film zu mehr als einem historiographischen Dokument, nämlich zu einer Sinfonle der Großstadt, in der sich das Fremde und das Eigene klangvoll mischen. Veronika Rall, in: Frankfurter Rundschau, 20.2.1997 [...] Nüchterner, ergreifender ist Ulrike Ottingers Dokumentation über das EXIL SHANGHAI, einen bisher kaum bekannten Ausschnitt der Geschichte. Shanghai war bis zur japanischen Besatzung 1942 der weltweit letzte Zufluchtsort mit offenen Grenzen. Hier lebten Angehörige vieler Nationen in friedlicher Koexistenz, hierher flohen viele europäischen Juden und versuchten, ein neues Leben aufzubauen, bis sie von den Japanern 1943 ins Ghetto gesperrt wurden. Daneben gab es eine alteingesessene Schicht sephardischer Juden, meist steinreiche Kaufleute, die der spätkolonialistischen Elite zugehörten. Mit den Exilanten kamen sie nur selten in Berührung. Aus Interviews mit ihnen, mit deutschen, österreichischen und russischen Juden, aus Photos, Dokumenten und Filmaufnahmen vom heutigen Shanghai entsteht das Bild einer vitalen Stadt und eines nur wenig bekannten Kapitels der Exilgeschichte: ein Leben zwischen Dekadenz und Ghetto. Die Bilder aus der Gegenwart - Straßenszenen, Marktgeschehen oder Schiffe im Hafen - wirken dabei wie eine Oberflächenhaut, die erst in den Erzählungen der lnterviewpartner ihre historischeTiefendimension gewinnt. Der Film funktioniert als Medium der Erinnerung, und die Erinnerungen sind Türen in eine unbekannte Welt. Ottinger findet eigene, eindrucksvolle Bilder. Sie spürt auf, trägt zusammen und blendet die verschiedenen Zeitebenen virtuos übereinander, so daß Geschichte sichtbar und stofflich fühlbar wird. Die Musik dient ihr nicht [...] als Gefühlsquetsche, sondern ist ein autonomerTeil des Geschichtsmosaiks, manchmal auch ironischer Kommentar. Etwa dann, wenn zum Bericht vom Hafen das alte Lied erklingt: ,,lrgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bißchen Glück, und ich träume davon jeden Augenblick." So gelingt Ottinger etwas ganz Seltenes: Erinnerungen vielschichtig und lebendig zu machen. Sie beschwört keine Gespenster sondern öffnet und weitet den Blick. Jörg Magenau, in: Freitag, Berlin 10/97 Regie, Kamera: Ulrike Ottinger. Musik: Originalmusik der 20er und 30er Jahre aus verschiednen Archiven und der Sammlung Raymond Wolf Die Interviewten: Rena Krasno (Mountain View, Kalifornien, November 1995) Rabbi Theodore Alexander und Gertrude Alexander (Danville, Kalifornien, November 1995) lnna Mink (Kentfield, Kalifornien, November 1995) Georges Spunt, 1923-1996 (San Francisco, November 1995) Geoffrey Heller (Berkeley, Kalifornien, Dezember 1995) Team San Francisco Produktions-/Aufnahmeleitung: Erica Marcus Ton: Sara Chin Kamera-Assistenz: Caitlin Manning Team Shanghai Recherche: Katharina Sykora Kamera-Assistenz: Bernd Balaschus Übersetzer: Ting I Li Team des Shanghai-Filmstudios Bao Qicheng, Catherine Fu, David Su, Benny Zhu, Chen Yong, Shao Zhiyu, Xu Chengshi, Ni Zheng, Xu Xiushan,Yi Akou Team Israel Rostrum Kamera: Yossi Zicherman Produktionsleitung: Uzi Cohen Aufnahmeleitung: Madeleine Ali Team Berlin Produktionsleitung: Ulrich Ströhle Vertonung: Bettina Böhler Tonmischung: Hartmut Eichgrün Mit Unterstützung der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg der FiImförderungsanstalt Berlin The New Foundation For Cinema & Television Tel Aviv dem Israeli Film Center dem Ministry of Industry and Trade, Tel Aviv Uraufführung: 18. Februar 1997, Berlinale, Internationales Forum des Jungen Films Verleih: Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V. Potsdamer Str. 2 D-10785 Berlin Deutschland Ansprechpartner: Karl Winter fon +49-30-269 55 150 fax +49-30-269 55 111 verleih@arsenal-berlin.de www.fdk-berlin.de Verkauf: Erhältlich auf DVD bei Ulrike Ottinger Filmproduktion Fichtestraße 34 D-10967 Berlin fon +49-30-692 93 94 fax +49-30-691 33 30 office@ulrikeottinger.com Übersicht über alle verfügbaren Filme auf VHS und DVD |








