Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse
Ein Film von Ulrike Ottinger |
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Deutschland 1984
35 mm, Farbe, 150 Minuten
Ulrike Ottinger Filmproduktion, Berlin
in Kooperation mit SFB, Berlin und WDR, Köln
Premiere: 18. Februar 1984, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum
Festivals: 38th Edinburgh International Film Festival 1984
Festivals in San Francisco, Chicago, Hongkong u.a.
Preise: Spezialpreis der Jury für die künstlerische Gesamtkonzeption,
Florenz 1984
Publikumspreis Festival Sceaux 1984
im Verleih der
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V. |
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Unser Konzern wird einen Menschen schaffen,
den wir nach unseren Vorstellungen formen und nach unserem Belieben
führen.
Dorian Gray jung, reich, schön.
Wir werden ihn aufbauen, verführen, vernichten.
(Frau Dr. Mabuse, Drehbuchauszug) |
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Der Filmtitel entspricht in der Komplexität seiner Bedeutung
dem Film. Die naheliegendste Assoziation ist die zu Dorian Gray, also
die literarische; zum anderen der Narzißmus, das Dandytum, fin
de siècle. Im Spiegel der Boulevardpresse zu Prousts
Zeiten bereits als Gesellschaftsnachrichten bekannt hab' ich
als ein Beispiel genommen, um über eine neue Form von Machtausübung
etwas zu sagen im Film, über die spezifischen Möglichkeiten
eines Medienkonzerns.
Ulrike Ottinger im Gespräch mit Sissi Tax, Februar
1984 |
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| Presse |
Der Titel legt die Karten auf den Tisch. Es geht um ein Spiel, in
dem eine Figur mit Methode und Medium verstrickt wird. So beginnt
keine Geschichte, wie sie das 'Leben' erzählt, das im Film gerne
behauptet, ungeschönt in den Alltag zu greifen und Rohstoff auf
die Leinwand zu bringen. So beginnt eine Geschichte der Kunstfertigkeit,
die sich in jedem Augenblick bewußt ist, daß sie einen
'Film' erzählt. Nicht die Geschichte ist hier der Rohstoff, sondern
Ton und Bild. Ottingers Filme sind Ausdruck des Prekären im Maße,
wie sie immer auch ihre Kunstfertigkeit betonen. Bei Fritz Lang war
Mabuse ein Mann, ein Falschspieler, ein Falschgeldproduzent. Bei Ulrike
Ottinger mutiert Mabuse zur Frau und Bewußtseinsproduzentin,
die nichts als den Schein in Umlauf bringt und am Ende sich mit der
Phantasmagorie der vollkommenen Herrschaft über ihr Medienprodukt
Dorian Gray betrügt. Eine Gefangene des eigenen Wahns, ein Opfer
technisch angezettelter Gefühle, die nicht länger dauern
als es braucht, ein Fernsehbild abzutasten. Die Meisterin wird Opfer
ihres Meisterschülers, und der Meisterschüler avanciert
zum Meister des Medienkonzerns [...]
Karsten Witte, Frankfurter Rundschau
In Ulrike Ottingers mixed media show, in der jedes Bild an irgendwelche
anderen erinnert, erscheint vergangene Erzählkultur wie auf einer
riesigen Abfallhalde zusammengekarrt. Und man versteht: Es ist das
Werk der Massenmedien. Auch hier findet Frau Dr. Mabuse das richtige
Wort, sie sagt: erlesen vulgär. Die Boulevardpresse als Zerrspiegel
ist der reine Vorwand. Die Form von Kritik, die sich in moralischer
Empörung äußert, gehört zu der Art von Kino,
von der dieser Film sich absetzt [...] Der Film entwirft eine ganz
andere Schreckensvision: daß durch die Massenmedien die ldentifikationskanäle
immer enger und restriktiver werden, weil man dem Zuschauer aus Berechnung
zu sehr entgegenkommt und alles Andere, ihm Fremde, nur mit Anstrengung
Verständliche wegfallen muss. Ein vom Wind gebauschter Vorhang
tut sich auf vor einer Opernhandlung, die in realer exotischer Natur
spielt. Die Handlung wird dadurch um nichts realer. Wohl aber wird
die Natur ein Stück Konserve, ein hybrides Bild, das anhält,
über die Natur von Schauspiel nachzudenken.
Frieda Grafe, Süddeutsche Zeitung, 19./20.5.1984
Der bemerkenswerteste Film, den ich bislang (Filmfestspiele Berlin)
sah [...] Eine monströse, manchmal anstrengende, immer eigenwillig-phantastische
Bilderrevue [...] Von Versuchung zu Versuchung, vom Taumel zum Schrecken.
Zwischendurch öffnet sich ein Vorhang, und wir blicken auf eine
bizarre Felsenküste, wo eine seltsame Oper gespielt wird (Musik
Peer Raben).
Ein Film anders als andere.
Ulrich Greiner, DIE ZEIT, 24.2.1984
Einfälle, Phantasien, oft witzige, satirische Spielereien mit
kinematographischen und ikonographischen Traditionen und Vorbildern,
die durch einen losen Handlungsfaden zu einer Collage zusammengefügt
werden: ein Geflecht aus Zitaten und Querverweisen, aus unermüdlich
erfinderischen Einfällen, ein Kaleidoskop, das aus denselben
Bestandteilen immer wieder andere Muster hervorbringt [...] Das Kino
der Ulrike Ottinger ist ein Kino der Attraktionen im genauen Sinn
des Wortes:
Attraktionen ziehen an, stoßen ab, verblüffen, machen staunen.
Attraktionen haben einen Ausstellungswert, aber kein Aneignungsinteresse.
Sie wollen gesehen, aber nicht besessen werden.
So erzählt der Film [...] von der kalten Ekstase der Attraktion
und der Verletzbarkeit der Gefühle.
Gertrud Koch, EMMA, April 1984 |
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| Besetzung / Stab |
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Dorian Gray
Don Luis de la Cerda
Infant von Spanien |
Veruschka von Lehndorff |
Frau Dr. Mabuse
Großinquisitor von Sevilla
|
Delphine Seyrig |
| Andamana |
Tabea Blumenschein |
Chinesischer Diener Hollywood
Erzähler |
Toyo Tanaka |
Assistentin Passat
Schicksalsgöttin |
Irm Hermann |
Assistentin Golem
Schicksalsgöttin |
Magdalena Montezuma |
Assistentin Susy
Schicksalsgöttin |
Barbara Valentin |
Dominikaner
Signore Romano l'Osservatore Conservatore |
Luc Alexander |
| Herr von Welt |
Hanno Jochimsen |
| Mr. Charles Chronicle |
Fritz Ewert |
| Alexander Baron von Regenbogen |
Joachim von Ulmann |
| Mr. Standard Telegraph |
Horst Benzrath |
| Sahib Vao-Vao Africasia |
Victor Dzidzonou |
| Señor José Fernando Correo |
Roderick Castillo |
| Mr. Eastman Yu-Kang Fudji |
Robbie Darsono |
| Monsieur Pago-Pago Express |
Don Grant |
| Mario Scandalo |
Ting-I Li |
| Herr Azet-Tezet |
Claus-Dietrich Streuber |
| Dr. Spiegelwelt |
Jonathan Briel |
Sängerinnen beim Presseball
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Else Nabu
Yasuko Nagata
Marianne Langfeldt |
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Buch
Regie
Kamera
Ausstattung
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Ulrike Ottinger |
| Regieassistenz |
Eva Ebner |
| Kameraassistenz |
Bernd Balaschus |
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| Licht |
Peter Venn, Uwe Schäfer |
| Bauten |
Ric Schachtebeck, Horst Helbig |
| Kostüme |
Gisela Storch |
| Schneiderinen |
Monika Hinz, Adelheid Kähler |
| Garderobe |
Ulla Sonntag |
| Maske |
Axel Zornow, Siegfried Aé |
| Bühnenmaler |
Raniel Esser |
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| Ton |
Margit Eschenbach |
| Tonassistenz |
Raoul Grass |
| Schnitt |
Eva Schlensag |
| Schnittassistenz |
Bettina Böhler |
Musik
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Peer Raben
Patricia Jünger |
Opernsänger
|
Karin Hautermann, Anton Rosner,
Maarlene Ricci, Armando Ambo |
| Video |
Margit Eschenbach |
| Titel |
Peter Bartoschek |
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Herstellungsleitung
|
Renée Gundelach |
| Produktionsleitung |
Herbert Kerz,
Helga Stegmann |
| Redaktion |
Hans Kwiet (SFB) |
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Mit finanzieller Unterstützung
der
Filmförderungsanstalt, Berlin
Bundesministerium des Inneren, Bonn |
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Verleih:
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Potsdamer Str. 2
D-10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111
Verkauf:
Erhältlich auf VHS
bei
Ulrike Ottinger Filmproduktion |
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