Ulrike Ottinger Startseite Kontakt Druckversion der Seite Englische Version
Dorian Gray
im Spiegel
der Boulevardpresse
Delphine SeyrigDer Filmtitel entspricht in der Komplexität seiner Bedeutung dem Film. Die naheliegendste Assoziation ist die zu Dorian Gray, also die literarische; zum anderen der Narzißmus, das Dandytum, fin de siècle. Im Spiegel der Boulevardpresse — zu Prousts Zeiten bereits als Gesellschaftsnachrichten bekannt — hab' ich als ein Beispiel genommen, um über eine neue Form von Machtausübung etwas zu sagen im Film, über die spezifischen Möglichkeiten eines Medienkonzerns.
Ulrike Ottinger im Gespräch mit Sissi Tax, Februar 1984





Presse

Der Titel legt die Karten auf den Tisch. Es geht um ein Spiel, in dem eine Figur mit Methode und Medium verstrickt wird. So beginnt keine Geschichte, wie sie das 'Leben' erzählt, das im Film gerne behauptet, ungeschönt in den Alltag zu greifen und Rohstoff auf die Leinwand zu bringen. So beginnt eine Geschichte der Kunstfertigkeit, die sich in jedem Augenblick bewußt ist, daß sie einen 'Film' erzählt. Nicht die Geschichte ist hier der Rohstoff, sondern Ton und Bild. Ottingers Filme sind Ausdruck des Prekären im Maße, wie sie immer auch ihre Kunstfertigkeit betonen. Bei Fritz Lang war Mabuse ein Mann, ein Falschspieler, ein Falschgeldproduzent. Bei Ulrike Ottinger mutiert Mabuse zur Frau und Bewußtseinsproduzentin, die nichts als den Schein in Umlauf bringt und am Ende sich mit der Phantasmagorie der vollkommenen Herrschaft über ihr Medienprodukt Dorian Gray betrügt. Eine Gefangene des eigenen Wahns, ein Opfer technisch angezettelter Gefühle, die nicht länger dauern als es braucht, ein Fernsehbild abzutasten. Die Meisterin wird Opfer ihres Meisterschülers, und der Meisterschüler avanciert zum Meister des Medienkonzerns [...]
Karsten Witte, Frankfurter Rundschau


In Ulrike Ottingers mixed media show, in der jedes Bild an irgendwelche anderen erinnert, erscheint vergangene Erzählkultur wie auf einer riesigen Abfallhalde zusammengekarrt. Und man versteht: Es ist das Werk der Massenmedien. Auch hier findet Frau Dr. Mabuse das richtige Wort, sie sagt: erlesen vulgär. Die Boulevardpresse als Zerrspiegel ist der reine Vorwand. Die Form von Kritik, die sich in moralischer Empörung äußert, gehört zu der Art von Kino, von der dieser Film sich absetzt [...] Der Film entwirft eine ganz andere Schreckensvision: daß durch die Massenmedien die ldentifikationskanäle immer enger und restriktiver werden, weil man dem Zuschauer aus Berechnung zu sehr entgegenkommt und alles Andere, ihm Fremde, nur mit Anstrengung Verständliche wegfallen muss. Ein vom Wind gebauschter Vorhang tut sich auf vor einer Opernhandlung, die in realer exotischer Natur spielt. Die Handlung wird dadurch um nichts realer. Wohl aber wird die Natur ein Stück Konserve, ein hybrides Bild, das anhält, über die Natur von Schauspiel nachzudenken.
Frieda Grafe, Süddeutsche Zeitung, 19./20.5.1984


Der bemerkenswerteste Film, den ich bislang (Filmfestspiele Berlin) sah [...] Eine monströse, manchmal anstrengende, immer eigenwillig-phantastische Bilderrevue [...] Von Versuchung zu Versuchung, vom Taumel zum Schrecken. Zwischendurch öffnet sich ein Vorhang, und wir blicken auf eine bizarre Felsenküste, wo eine seltsame Oper gespielt wird (Musik Peer Raben).
Ein Film anders als andere.
Ulrich Greiner, DIE ZEIT, 24.2.1984


Einfälle, Phantasien, oft witzige, satirische Spielereien mit kinematographischen und ikonographischen Traditionen und Vorbildern, die durch einen losen Handlungsfaden zu einer Collage zusammengefügt werden: ein Geflecht aus Zitaten und Querverweisen, aus unermüdlich erfinderischen Einfällen, ein Kaleidoskop, das aus denselben Bestandteilen immer wieder andere Muster hervorbringt [...] Das Kino der Ulrike Ottinger ist ein Kino der Attraktionen im genauen Sinn des Wortes:
Attraktionen ziehen an, stoßen ab, verblüffen, machen staunen. Attraktionen haben einen Ausstellungswert, aber kein Aneignungsinteresse. Sie wollen gesehen, aber nicht besessen werden.
So erzählt der Film [...] von der kalten Ekstase der Attraktion und der Verletzbarkeit der Gefühle.
Gertrud Koch, EMMA, April 1984




Besetzung / Stab
Dorian Gray
Don Luis de la Cerda
Infant von Spanien


Veruschka von Lehndorff
Frau Dr. Mabuse
Großinquisitor von Sevilla

Delphine Seyrig
Andamana Tabea Blumenschein
Chinesischer Diener Hollywood
Erzähler

Toyo Tanaka
Assistentin Passat
Schicksalsgöttin

Irm Hermann
Assistentin Golem
Schicksalsgöttin

Magdalena Montezuma
Assistentin Susy
Schicksalsgöttin

Barbara Valentin
Dominikaner
Signore Romano l'Osservatore Conservatore


Luc Alexander
Herr von Welt Hanno Jochimsen
Mr. Charles Chronicle Fritz Ewert
Alexander Baron von Regenbogen Joachim von Ulmann
Mr. Standard Telegraph Horst Benzrath
Sahib Vao-Vao Africasia Victor Dzidzonou
Señor José Fernando Correo Roderick Castillo
Mr. Eastman Yu-Kang Fudji Robbie Darsono
Monsieur Pago-Pago Express Don Grant
Mario Scandalo Ting-I Li
Herr Azet-Tezet Claus-Dietrich Streuber
Dr. Spiegelwelt Jonathan Briel
Sängerinnen beim Presseball


Else Nabu
Yasuko Nagata
Marianne Langfeldt
Buch
Regie
Kamera
Ausstattung




Ulrike Ottinger
Regieassistenz Eva Ebner
Kameraassistenz Bernd Balaschus
Licht Peter Venn, Uwe Schäfer
Bauten Ric Schachtebeck, Horst Helbig
Kostüme Gisela Storch
Schneiderinen Monika Hinz, Adelheid Kähler
Garderobe Ulla Sonntag
Maske Axel Zornow, Siegfried Aé
Bühnenmaler Raniel Esser
Ton Margit Eschenbach
Tonassistenz Raoul Grass
Schnitt Eva Schlensag
Schnittassistenz Bettina Böhler
Musik

Peer Raben
Patricia Jünger
Opernsänger

Karin Hautermann, Anton Rosner,
Maarlene Ricci, Armando Ambo
Video Margit Eschenbach
Titel Peter Bartoschek
 
Herstellungsleitung
Renée Gundelach
Produktionsleitung Herbert Kerz,
Helga Stegmann
Redaktion Hans Kwiet (SFB)
Mit finanzieller Unterstützung der
Filmförderungsanstalt, Berlin
Bundesministerium des Inneren, Bonn





Premiere:
18. Februar 1984, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum



Festivals:
38th Edinburgh International Film Festival 1984
Festivals in San Francisco, Chicago, Hongkong u.a.



Preise:
Spezialpreis der Jury für die künstlerische Gesamtkonzeption, Florenz 1984
Publikumspreis Festival Sceaux 1984



Verleih:
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Potsdamer Str. 2
10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111
verleih@fdk-berlin.de
www.fdk-berlin.de

für Nordamerika:
Women Make Movies
462 Broadway 5th Floor
New York, NY 10013
USA
fon +1-212-925-0606
fax +1-212-925-2052
info@wmm.com
www.wmm.com

Verkauf:
Erhältlich auf VHS
bei
Ulrike Ottinger Filmproduktion
Fichtestraße 34
D-10967 Berlin
fon +49-30-692 93 94
fax +49-30-691 33 30
office@ulrikeottinger.com

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