Bildnis einer Trinkerin
Ein Film von Ulrike Ottinger |
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Deutschland 1979
35 mm, Farbe, 107 Minuten
Ulrike Ottinger Filmproduktion, Berlin
Premiere: 27. Oktober 1979, 13. Hofer Filmtage
Festivals: Filmfestspile Berlin 1980
Cannes (Semaine de la Critique) 1980
Edinburgh 1980
Sceaux Festival des Femmes 1980
New Delhi, Los Angeles, San Francisco, Chicago u.a.
Preise: Publikumspreis von Sceaux, Frankreich
im Verleih der
Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V. |
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BERLIN TEGEL REALITÄT
BERLIN TEGEL BITTE REALITÄT |
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Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde
und raphaelischem Ebenmaß, eine Frau, geschaffen wie keine andere,
Medea, Madonna, Beatrice, lphigenie, Aspasia zu sein, beschloß
an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen.
Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel.
Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein
abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit allen ihren Kräften auf
eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihrer Bestimmung zu
leben war ihr alleiniger Wunsch.
Anhand eines Werbeprospektes, der ihr als Bordlektüre von einer
freundlichen Stewardess überreicht worden war, beschloß
sie, eine Art Trinkplan aufzustellen. Die ausführliche Beschreibung
einer Sightseeing-Tour diente ihr zur Orientierung und bot umfassende
Hilfe. Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien
ihr der rechte Ort, ungestört ihrer Passion zu leben. Ihre Passion
war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer
Trinkerin. Jetzt war also der Zeitpunkt gekommen, alles zu verwirklichen.
Einleitungstext, Drehbuchauszug |
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| Presse |
[...] Die namenlose Lady rauscht in Tegel ein wie eine Science-fiction
Fee im aseptischen Glas-, Beton-und Neon-Märchenland. Ein Koffer
bricht auf, ein Getränkewagen geht zu Bruch; ein Zwerg, ein Diebstahl,
Polizei, drei hochnäsige Kongreßteilnehmerinnen. Und eine
Ansage annonciert:
'Berlin Tegel Realität'. Lapidar registrierte Vorfälle,
kleine Desaster, befremdliche, bedrohliche Warnsignale [...] Berlin
oder die Topographie des Fusels [...]: attraktive Tristesse wie in
den schlimmsten Ecken Brooklyns, rührende Promenadenmischung
aus Zille und Las Vegas. So liebevoll und erschreckend und wahrhaftig
ist diese Stadt im Film noch nicht porträtiert worden [...]
Wolf Donner, Der Spiegel, Nr. 48, 1979
[...] In BILDNIS EINER TRINKERIN wandelt sich das Stadtbild in das
Bild einer Stadt, in der der Wunsch, sich zu Tode trinken zu wollen,
beinahe als Ausdruck des Überlebenswillens erscheint. Berlin
ist in diesem Film eine Stadt der Isolation: nicht, banal, der Isolation
nach außen; auch nicht, schon weniger banal, der inneren Isolation;
sondern Berlin ist die Isolation als Stadt, die zur Stadt verwandelte
Einsamkeit.
Die Qualität dieses Films: daß er das nicht behauptet,
sondern zeigt, auf verschiedene Arten. Der Film erzählt nicht
eine Geschichte, sondern collagiert das Bildnis einer Trinkerin: eben
das ist seine Methode. Subversiv verweigert er sich auf den zweiten
Blick der Entfaltung einer realen Zeit [...]
Norbert Jochum, DIE ZEIT, 23. 11.1979
[...] ein intellektueller Augenspaß und zugleich ein
Berlin-Film. Wo sonst in einer deutschen Stadt besteht eine ähnlich
enge Verbindung zwischen Hypermode und Subkultur? Die Regisseurin
ist eine Virtuosin im Erdenken und Umsetzen von Bildern, in der photographischen
Konfrontation von Gegensätzen, sie verfügt vor allem über
eine durchaus fesselnde manieristische Kraft [...]
H.G. Pflaum, Süddeutsche Zeitung, 12.2.1980
[...] Die ungewöhnliche Geschichte vom Trinken fängt, obwohl
in kühlen, streng arrangierten Bildern erzählt, sehr lebensnahe,
detailliert beobachtete Alltagssituationen ein.
Immer bleiben die Szenen des Films in der Schwebe zwischen bitterem
Ernst und böser Ironie:
Ein freundliches Lachen ist jeden Augenblick ebenso denkbar wie der
jähe Tod. Zu diesem eigentümlichen Eindruck trägt viel
der unkonventionell eingesetzte Ton bei, der aus Originalgeräuschen,
-dialogen sowie synthetisch erzeugten Klängen besteht und oft
gegenläufig zu den Bildern eingesetzt wird..."
Bodo Fründt, Stern Nr. 45, 29.10.1981
[...] Eine Kunstfigur, eine Frau aus Porzellan (Tabea Blumenschein),
mit sehr hohen, nicht mehr wahrnehmbaren Herztönen, zerschlägt
sich selbst. Der fremde Ort, an dem sie, die Fremde, dies, ungestört
auf ihre Passion konzentriert, zu tun gedenkt, ist Berlin. Sie, ohne
Namen, ohne Nationalität, ohne erkennbare Vergangenheit, löst
irgendwo [...] ein Flugbillet ,Aller jamais retour' nach Berlin Tegel:
Gleich anfangs ein sonderbar glasiges Berlin, wie es sich dem Wahn
aus Schnee und Fieber einer ganz und gar nicht gewöhnlichen Trinkerin
darbieten mag: der Flugplatz ist fast leer, die hohen Ansagestimmen
kommen aus dem Nichts und weisen ins Nirgendwo, nur noch drei von
Kongreß zu Kongreß reisende Damen in Pepita-Reisekleidung
sind angekommen: drei Nornen, genannt 'Soziale Frage', 'Exakte Statistik'
und 'Gesunder Menschenverstand' [...], die fortan, ohne mit einem
Menschen je Kontakt aufzunehmen, gleichsam für diese unter Tarnkappen,
fast an jedem Schauplatz niederflattern wie weise Raben, daselbst
ständig ihre wissenschaftlichen 'Erkenntnisse' über die
verschiedenen psychischen Ursachen und Auswirkungen männlicher
und weiblicher Trunksucht als leblose Leerformeln auszuspucken; ein
Begleitchor, kalt und komisch [...]
Karena Niehoff, Der Tagesspiegel, 9.9. 1979 |
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| Besetzung / Stab |
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| Sie |
Tabea Blumenschein |
| Trinkerin vom Zoo |
Lutze |
| Soziale Frage |
Magdalena Montezuma |
| Exakte Statistik |
Orpha Termin |
| Gesunder Menschenverstand |
Monika von Cube |
| Zwerg |
Paul Glauer |
| Sängerin |
Nina Hagen |
| Direktor Willy |
Günther Meisner |
| Chef |
Kurt Raab |
| Transvestit |
Volker Spengler |
Am Künstlertisch
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Eddie Constantine, Ginka Steinwachs, Mercedes Vostell, Wolf
Vostell |
und
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The Destroyers, Drahtseilartisten des Zirkus Renz, Ulrike
Ottinger, Raul Giminez, Ila von Hasperg |
| Sprecherin |
Ulrike Ottinger |
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Buch/ Regie/
Ausstattung/ Kamera |
Ulrike Ottinger |
| Produktionsleitung |
Marianne Gassner |
| Regieassistenz |
Ila von Hasperg |
| Kameraassistenz |
Amadou Seitz |
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| Licht |
Manfred Bogdahn |
| Bauten |
Raul Gimenez |
| Kostüme |
Tabea Blumenschein |
| Maske, Garderobe |
Detlef Pleschke |
| Schnitt |
Ila von Hasperg |
| Schnittassistenz |
Pamela Page |
| Ton |
Margit Eschenbach |
| Tonassistenz |
Holger Gimpel |
| Mischung |
Hans-Dieter Schwarz |
| Musik |
Peer Raben |
| Song ("Lasset uns trinken") |
Nina Hagen |
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Mit finanzieller Unterstützung
der
Filmförderungsanstalt, Berlin
Kuratorium Junger Deutscher Spielfilm, Berlin
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Verleih:
Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V.
Potsdamer Str. 2
D-10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111
Verkauf:
Erhältlich auf VHS
bei
Ulrike Ottinger Filmproduktion |
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