Zwölf Stühle
Ein Film von Ulrike Ottinger
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Deutschland 2004
35mm Farbe 198 Minuten
Fernsehfassung 7 Teile à ca. 30 Minuten
Original: Russisch und Deutsch, OmU, deutsche oder englische UT
Ulrike Ottinger Filmproduktion, Berlin
Gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes
Premiere: 12. Februar 2004, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum
im Verleih der
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V. |
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Der Film Zwölf Stühle verknüpft in spektakulärer
Weise die Dramaturgie einer Schatzsuche und Verfolgungsjagd mit einer
dichten Bilderwelt von Personen und Orten. Er erzählt zugleich
von gestern und heute, von der Realität der Menschen in den GUS-Staaten
und vom Allgemeinmenschlichen unseres eigenen Handelns. Große
gesellschaftliche Utopie vermischt sich so mit der individuellen Hoffnung
auf das ganz persönliche Glück, sei es durchs Geld oder
in der Liebe. Zwölf Stühle gelingt es, eine witzige,
tragische und humane Welt zu zeigen: Sie ist immer zugleich großer
Entwurf und zusammengeflickte Existenz.
Ulrike Ottinger |
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Die Geschichte
Auf dem Sterbebett vertraut eine alte russische Aristokratin ihrem
Schwiegersohn ein streng gehütetes Geheimnis an. In einem der
zwölf Stühle ihrer alten, nach der Revolution enteigneten
Salongarnitur hatte sie ihren wertvollen Juwelenschmuck versteckt.
Ihr Schwiegersohn, der ehemalige Adelsmarschall und Lebemann Ippolit
Matwejewitsch Worobjaninow, der als Standesbeamter in einem Provinznest
sein Leben fristet, begibt sich unverzüglich auf die Suche nach
dem Schatz. Die zwölf Stühle sind inzwischen im ganzen Land
verstreut. Schon auf der ersten Station heftet sich Ostap Bender an
seine Fersen, ein gewitzter, buntscheckiger Gauner, der die Jagd nach
den Brillanten energisch an sich reißt.
Eine tolle Reise beginnt von Nord nach Süd und von West nach
Ost, zu Wasser und zu Lande, vom Dorf in die Metropole. Das ungleiche
Gespann hat einen Rivalen in Vater Fjodor. Er hatte der einst wohlhabenden
Aristokratin die letzte Beichte abgenommen und kennt so als Dritter
im Bund ihr Geheimnis.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ilja Ilf und Jewgeni
Petrow.
Ulrike Ottinger
Zur Entstehung
2001 reiste ich für meinen Film Südostpassage auf
der Suche nach jenen blinden Flecken Europas, die heute dem medialen
Vergessen preisgegeben sind, von Berlin über Polen, Tschechien,
die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, in die Ukraine nach
Odessa und am Schwarzen Meer entlang nach Istanbul. Parallel dazu
begab ich mich auf eine literarische Reise und lernte die Romane,
Erzählungen und Gedichte dieser Länder kennen. Dabei begegnete
ich den Zwölf Stühlen, dem listigen Roman des Odessiter
Autorenpaares Ilja Ilf und Jewgeni Petrow. Seit seinem Erscheinen
Ende der Zwanziger Jahre ist er eine der vergnüglichsten Beschreibungen
der turbulenten Zustände Sowjetrusslands während seiner
Aufbauzeit. Heute hält der Roman den im Umbruch befindlichen
GUS-Staaten einen präzisen allegorischen Spiegel vor.
Auf zwei weiteren Recherchereisen suchte und fand ich in der Ukraine
die Orte und Schauspieler, die im Film zu zentralen Akteuren der Handlung
werden: Wilkowo, ein Dorf an der moldawisch-rumänischen Grenze,
durchzogen von Kanälen wie ein Kleinvenedig. Nikolajew, ehemals
mächtiger Handelsknotenpunkt an der Gabelung zweier Zuströme
zum Dnjepr; die Tatarendörfer im gewaltigen Krimgebirge und die
eleganten Kurorte zu seinen Füßen, wo die Schwarzmeerküste
schon seit dem 19. Jahrhundert Côte d'Azur spielt. Und nicht
zuletzt Odessa mit seiner Mischung aus zerfallenen Hinterhöfen,
prächtigen Passagen und der Treppe zum Hafen, die auf Schritt
und Tritt Bilder von Eisensteins Revolutionsfilm Panzerkreuzer
Potemkin hervorruft. Diese Orte sind nicht nur Bühne, sondern
Mitspieler im Film. Sie und die Menschen, die sie im Alltag bevölkern,
agieren als Komplizen oder Gegner der beiden Protagonisten Ostap und
Ippolit auf der Jagd nach ihrem materiellen Glück.
Die beiden Hauptdarsteller sind wie die Autoren des Romans Odessiter.
Georgi Delijew, der Darsteller des Gauners Ostap Bender, ist ein Volksschauspieler
im modernen Sinn, der in einem eigenen Theater die Tradition des Burlesken
pflegt und durch eine auf ihn zugeschnittene komödiantische Fernsehserie,
die Maskenschau, weit über die Ukraine hinaus bekannt
ist. Genadi Skarga, der die tragikomische Figur des ehemaligen Adelsmarschalls
verkörpert, stammt aus einer Odessiter Theaterdynastie und beherrscht
nicht nur das klassische Repertoire der russischen Bühnenliteratur,
sondern experimentiert als Regisseur und Schauspieler auch mit den
Formen des modernen amerikanischen Dramas. Die rasante Geschichte
ist so eingeflochten in einen dichten Teppich von Personen und Orten,
die zugleich von gestern und heute erzählen.
Ulrike Ottinger |
Verleih:
Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.
Potsdamer Str. 2
D-10785 Berlin
Deutschland
Ansprechpartner: Karl Winter
fon +49-30-269 55 150
fax +49-30-269 55 111
Weltvertrieb:
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Ulrike Ottinger Filmproduktion
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